Wie sind Leistungsdaten von E-Autos mit Verbrennern zu vergleichen?

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VW Elektroautos: Volkswagen e-Golf

Wie sind die Leistungsangaben von E-Autos zu vergleichen? Nur die Dauerleistung eignet sich für Vergleiche mit Verbrennern! Die Prospekte zeigen oft nur die Kurzleistung des Motors. Nahezu jeder der weltweit etwa 700 Mio Autobesitzer kennt zumindest eine Kenngröße seines Fahrzeugs: Die maximale Motorleistung. Diese wird vom Hersteller über eine längere Zeitdauer gemessen und gilt dann als Nennleistung. Dabei darf sich der Motor nicht überhitzen. Seit über 100 Jahren gilt dies Definition für Verbrennungsmotoren.




Seit im Jahr 1995 Elektroautos (erneut) auf den Markt kamen, wurde die bestehende Regel “UNECE 85” für Leistungsmessungen von Benzin- und Dieselmotoren zum Antrieb von Kraftfahrzeugen Klassen M und N auf Elektromotoren erweitert. Und im Gegensatz zu Verbrennungsmotoren wurden für Elektromotoren von Anfang an zwei Leistungsangaben definiert:

  • Maximale Leistung für unter 5 Minuten
  • Maximale Leistung für 30 Minuten

Große Elektromotoren wurden seit ihrer Erfindung hauptsächlich industriell genutzt und milliardenfach eingesetzt. Für industrielle Anwendungen hatte man schon sehr früh „ Betriebsarten“ (S1, S2, …) definiert, um jeweils passgenaue Motorgrößen anzubieten, d.h. weder zu klein, noch zu groß . Denn E-Motoren sind für kurze Zeit extrem überlastbar, deshalb gibt es für den gleichen Motor mehrere Leistungsangaben, jeweils in Abhängigkeit von definierten Nutzungs-Zeitspannen.

Die maximale Leistung eines Elektromotors liegt oft 65%, oder mehr über der Dauerleistung. Hohe Leistung macht für Werbezwecke viel mehr her. Das aus dem Stand konstant hohe Drehmoment gibt einem schon beim Anfahren das Gefühl von „Leistung satt“. Die Haptik passt zu diesen hohen Leistungsangaben und macht sie dadurch glaubhaft.

Aber nicht genug damit, die Dauerleistung wird von vielen Herstellern überhaupt nicht kommuniziert, nirgends eine Erklärung, dass die maximale Leistung nur für etwa eine Minute genutzt werden kann, z.B. zum Beschleunigen des Autos. Scheinbar wollte dies auch die Presse bisher nicht wissen und verbreiten, sind doch nahezu überall nur die hohen Peak-Leistungen abgedruckt. Dabei reicht meist ein Blick in die Werbebroschüren, zumindest der Anbieter, die mehrere Leistungen angeben.




Beispiel 1:
Die Zeitschrift AUTOMOTORSPORT( 4/19) schätzt, daß der AUDI E-TRON mit über 200 kW rekuperieren könne. Kurzzeitig geht das bestimmt, aber die Maschinen haben laut Typzulassung zusammen nur eine Nennleistung von 158 kW. Auf Dauer führt Überlastung zu Abschaltung oder zu unzulässig hoher Erwärmung.

Beispiel 2:
Ein Tester des MINI COOPER E eines bekannten E-Auto Online-Magazins urteilte im Feb. 2019, der Wagen sei für Autobahnfahrten doch eher ungeeignet, weil zu stark abgeregelt bei 150 km/h, wo doch die ähnlich stark motorisierten MINI COOPER SE (Benziner) mit bis zu 220 km/h unterwegs sein können. Dem Tester ist vermutlich nicht bekannt, dass der Antriebsmotor des MINI COOPER E – vom BMW i3s übernommen- zwar eine fast vergleichbare “Spitzenleistung” von 135 kW, aber auf Dauer halt nur 75 kW = 102 PS abgeben kann. Absolut nicht vergleichbar mit dem mit 192 PS befeuerten MINI COOPER SE.
Vermutlich könnte der e-MINI ohne Geschwindigkeits-Abregelung aber immerhin etwa 185 km/h (ähnlich einem GOLF mit 75 kW) erreichen.

Beispiel 3:
Ein Vergleichs -Test der AUTOBILD (2018) unterschied in einer Übersichts-Tabelle zwei Leistungsangaben, nämlich : “maximal” und “konstant”, hatte aber beim VW UP kommentarlos die Angaben „60kW(82PS)/ – “ gedruckt.

Auffällig und lobenswert ist, dass die Franzosen RENAULT, CITROËN und PEUGEOT jeweils beide Leistungsangaben offen kommunizieren.

Ebenso BMW (i3), SMART und DAIMLER (eVITO). Verwenden aber unterschiedliche Begriffe wie folgt:

DAIMLER eVITO Nennleistung 85 kW
Dauerleistung 70 kW (entspricht Kfz-Brief)

BMW i3 Spitzenleistung : 125 kW
Nennleistung : 75 kW (entspricht Kfz-Brief)

Bei den anderen bekannten Herstellern aus Deutschland, USA, Korea und Japan ist es – zumindest im Kaufstadium – schwierig, die jeweilige Dauerleistung herauszufinden. Die Verkäufer bei den Händlern haben meist keine Ahnung von solchen technischen Details.

Bei der TYPZULASSUNG beim Kraftfahrt-Bundesamt werden die Angaben der Hersteller einigermaßen sorgfältig geprüft. Die DAUERLEISTUNGEN werden als NENNLEISTUNGEN erfasst und im Fahrzeugschein /-Brief vermerkt. Nur ist die aktuelle Liste (Stand 15.02.19) der jemals in Deutschland zugelassenen 4 rädrigen PKW´s mit über 750 Seiten etwas sperrig und damit unübersichtlich.
Da wird dann – wie z.B.beim AUDI E-TRON aus max. Leistung von 265 kW nur noch eine Nennleistung von 158 kW, vergleichbar mit einem Verbrenner. Beim TESLA Model 3 LR stehen im Kfz-Schein noch 155 kW, die kleinste Version mit Nennleistung 100 kW.

Bei VW stimmen Werbeversprechen für max. Leistung (e-GOLF :100 kW , UP : 60kW) mit Nennleistung im KfZ-Schein (e-GOLF :100 kW, UP : 60KW) überein.

Natürlich sind wir Verbraucher es mittlerweile gewohnt, verwirrt zu werden von einigen unserer Lieferanten. Aber schafft das Vertrauen oder erzeugt es positive Gefühle? Doch wohl eher nicht.




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