Elektroauto ja oder nein? Eine Entscheidungshilfe zum Kauf eines E-Autos

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Mercedes Elektroautos

Elektroauto ja oder nein? Oder bist Du dir mittlerweile sicher, dass Du dir ein elektrisch angetriebenes Fahrzeug (kein Plug In Hybrid) anschaffen möchtest. Die Vorteile der Elektromobilität sind im wesentlichen bekannt:

  • „lokale Schadstoffarmut“, damit freie Fahrt in Zonen mit Restriktion oder „Fahrverbot“
  • globale Schadstoffarmut bezogen auf Fahrzeuglebensdauer
  • geringe Lärmbelästigung innen und außen
  • gute Beschleunigung

Die Auswahl der Fahrzeugmodelle ist in Deutschland noch sehr begrenzt und die „Knackpunkte“ liegen ganz woanders, verglichen mit Verbrennern, man muss also vorher gut überlegen, was man mit dem Auto später gerne machen und was man absolut nicht erleben möchte, z.B. nur Kurzstrecken in und um die Stadt oder auch ab und zu längere Strecken. Dazu sollte man sich ein detailliertes Nutzungsprofil erstellen (vorwiegend Kurz-, Mittel-, Langstrecken? Jahresleistung? Nutzung im Sommer bzw. Winter….). Dies ist ganz wichtig, denn z.B. mit Begrenzung der Ladeleistung auf max. 5 kW am Bordlader des Fahrzeuges, nutzt die schönste Schnellladesäule leider garnichts, wie wir später sehen werden. Denn für längere Strecken – besonders im Winter – ist nicht nur eine möglichst große Akku-Kapazität hilfreich, sondern in gleichem oder fast sogar noch in höherem Maße auch eine hohe Ladeleistung des BORDLADERs im eigenen Fahrzeuges.

Elektroauto ja oder nein? Ein Nutzungsprofil bringt Klarheit

  1. Streckenlänge (typisch) ermitteln
    • Am einfachsten notiert man sich in einer Liste für einen Monat die Streckenlängen seiner Fahrten mit dem eigenen Auto, erstellt sozusagen ein kleines Fahrtenbuch, und alle Streckenlängen sollten am rechten Rand der Liste stehen. Wer eher selten fährt oder Zeit hat und will, macht das auch länger, dann werden die Ergebnisse noch genauer und zukunftssicherer.
    • Dann ermittelt man die durchschnittliche Streckenlänge aller notierter Fahrten und notiert diese.
    • Jetzt sucht man auch noch die 3 längsten Fahrten (ohne Lademöglichkeit unterwegs) heraus und notiert diese auch.
    • Sind die Abweichungen groß, muß man abwägen, ob man die längste Strecke wirklich so oft fährt, dass man diesen Wert als Basis für die Reichweite heranzieht, denn diese bestimmt die Größe des Akkus, und damit in starkem Maße den Fahrzeugpreis
  2. Nutzung im Winter : täglich? nur ganz selten? eher garnicht?
  3. Bei niedrigen Temperaturen verbraucht das Fahrzeug (Heizung, Beleuchtung) viel mehr Energie und der Akku hat eine geringere Kapazität. Das führt insbesondere bei Kurzstrecken zu Reichweiten von nur noch 60 -50%.

  4. Nutzung für Fahrten zur Arbeit?
  5. Gibt oder wird es bald auf dem Firmenparkplatz Lademöglichkeiten (während der Arbeit) für Elektroautos geben?

  6. Viele längere Fahrten /Reisen geplant?
  7. Natürlich auf hohe Akku-Kapazität (größer 30 kWh) und/oder hohe Bordlader-Leistung (größer 40kW, besser 100 kW) achten!
    Im Zweifelsfall die hohe Bordlader-Leistung vorziehen! Dadurch kann man relativ hohe Reisegeschwindigkeiten erzielen, wie man sich leicht errechnen kann.
    Bei der Heizung sollte man – falls nicht schon im Grundpreis enthalten – möglichst in eine Wärmepumpe investieren, die verbraucht viel weniger, das verbessert die Reichweite

    Beispielrechnung bei angenommener Fahrstrecke 600 km, Fahrgeschwindigkeit durchschnittlich 100 km/h, Verbrauch gleich, Start mit Akkuladung 100% :

     Fahrzeug AFahrzeug B
    Akku-Kapazität30 kWh50 kWh
    Bordlader150 kW30 kW
    Verbrauch15 kWh/100km15 kWh/100km
    Ladezeit (ca.)12 min100 min
    Anzahl Ladepausen2 (je 12 min)1 (je 100 min = 1,7h )
    Komb. Fahr/Ladezeit6h + 0,4h= 6,4h6h+1,7h = 7,7 h
    Reisegeschwindigkeit94 km/h78 km/h

    Folgende Gesichtspunkte sollten auch noch bedacht werden:

    1. Lademöglichkeiten Elektr. Energie (am Haus/Garage, allernächste Nähe zur Wohnung, am Arbeitsplatz, Supermarkt ….)
    2. Leistung Bordlader im Fahrzeug (min. 100 kW für Fahrten über 100 km/Tag)
    3. Akku – Kapazität ( 15 …..100 kWh)
    4. NEFZ – Reichweite (nur zum Vergleich von Fahrzeugen untereinander
    5. Fahrzeugklasse (Kleinst-, Klein-, Mittel-, Oberklasse)
    6. Preisspanne
    7. Fahrzeugheizung (Wärmepumpe erhöht im Winter die Reichweite spürbar)

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